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Dem Leben über die Schulter geschaut © GoBeG

Inhaltsverzeichnis:
- Das neue Bad
- Bauchtanz für jedermann
- Porentiefe Sauberkeit - nie mehr rauhe Hände
- Drei, zwei, eins.....
- Geburtstagsgeschenk für Tante Edith



Das neue Bad oder Eine (fast) unendliche Geschichte
Copyright 2005-2008 by Astrid Jentzsch, Germany

Nach 26 Jahren hatte unser altes Bad ausgedient. Ein schickes neues musste her. Wir entschieden uns für den Anbieter "Allesauseinerhand", der, grosse Kompetenz ausstrahlend, unsere Vorstellungen und Pläne mit "kein Problem" kommentierte. Die Fliesen, die wir aussuchten, waren ein Traum, wenn auch der Preis.... Naja, man gönnt sich ja sonst nichts.

Nun warteten wir geduldig auf das Angebot unseres Allesauseinerhand. Nach drei Wochen fragten wir vorsichtig nach, ob er noch Interesse an unserem Auftrag hätte. Doch schon, hatte er, aber irgendwie sei er nicht dazu gekommen. Binnen kurzer Zeit war das Angebot im Briefkasten. Wunderschöne Prospektblätter, noch schönere Beschreibungen der Sanitäranlagen und Preisangaben für die einzelnen Posten wie "je nach Aufwand" oder "ca.". Die angegebenen Stundenlöhne liessen mich bedauern, nicht den Beruf des Sanitärfachmanns oder wenigstens Fliesenlegers ergriffen zu haben. Wir baten Allesauseinerhand, sein Angebot nochmals zu überarbeiten. Das neue war etwas übersichtlicher, und die Preise der einzelnen Posten teilweise nach unten korrigiert. Allesauseinerhand bekam den Zuschlag. Wann er denn anfangen könnte, wollten wir wissen. Erst müssten die Fliesen da sein, die, da handgefertigt, noch ein bisschen auf sich warten lassen dürften. Nach zwei weiteren Monaten dauerte uns das "ein bisschen" doch ein wenig zu lange und wir fragten nach. Allesauseinerhand hatte uns wegen Arbeitsüberlastung vergessen, aber nächste Woche könnte er anfangen. Die gesamte Renovierung würde 10 Tage dauern. Für uns, die wir über ein Gästebad verfügen und im Keller eine Münzwaschmaschine benutzen können, kein Problem.

Die alten Fliesen, z.T. schon lose, mussten raus. Wir machten uns auf viel Staub gefasst, besonders im Schlafzimmer, das unmittelbar ans - fensterlose - Bad grenzt. Um dem Erstickungstod zu entgehen, schliefen wir in anderen Zimmern. Allesauseinerhand hatte die geniale Idee, die Installationswand ganz rauszureissen und eine Rigipswand weiter zurückgesetzt anzubringen, da hier noch viel Luft war, und wir so das Bad vergrössern könnten. Ob das Schlafzimmer nochmals bewohnbar werden würde? Es versank unter einer dicken Staubschicht, die sich mittlerweile auch in den übrigen Räumen breitmachte. In der Woche darauf wurden die Rohrleitungen geändert bzw. angepasst. Die Handwerker wechselten sich ab, erschienen manchmal zu zweit, manchmal nur für eine Stunde, wir wussten aber nie wann. Mein armer Mann - ein Glück, dass er Pensionär ist, sonst hätten wir unseren Jahresurlaub nehmen müssen - konnte das Haus nur verlassen,wenn ich vom Dienst kam.

Einmal roch es so verbrannt. Ich zog die Stehlampe, die der Fliesenleger zwecks besseren Sehens in den Türrahmen gestellt hatte, von der angekokelten Türzarge weg. Er fand das nicht so schlimm, da der Monteur bereits den Rahmen von innen mit dem Lötkolben angebrannt hatte. Also würde uns die Versicherung eine neue Tür bescheren. Dazu müsste natürlich auch das Schlafzimmer z.T. neu tapeziert werden. Aber dies war sowieso nötig, da beim Abschlagen der alten Kacheln ein Loch in der Wand über der Tür entstanden war. In der dritten Woche konnten wir die neuen Fliesen und die schicke abgehängte Decke bewundern Der Elektriker kam, die Waschmaschine anzuschliessen. Aber leider war da kein Anschluss; das Kabel war eingemauert. Wie schade, nun musste wieder aufgebrochen werden.

Eines Tages wurde das Waschbecken gebracht, es war jedoch nicht das bestellte mit Halbsäule und Ablage.
Es konnte problemlos umgetauscht werden, jedoch fehlten die dazugehörenden Montageteile vonseiten der Lieferfirma. Aber auch diese wurden nachgeliefert. Der Waschtisch machte sich wirklich hübsch an der neuen Fliesenwand.

Zwischendurch inspizierte der Schreiner den Türschaden. Da es die alte Rahmennorm nicht mehr gäbe, müßten ein paar Fliesen wieder raus, aber wirklich nur ein paar, prophezeite er.

Nach der vierten Woche wollten wir unsere lang geplante Parisreise antreten. Am Vortag der Abreise kümmerte sich der Installateur um die Wasseranschlüsse. "Fertig", sagte er, betätigte die Spülung und wurde blass um die Nase. Heißes Wasser kam aus der Toilette. Er hatte die Anschlüsse vertauscht. Eine Fliese müsste wieder raus, aber kein Problem, er würde das direkt am Samstag nach unserem Urlaub erledigen. Unser Monteur hielt Wort und ließ dafür sogar das samstägliche Fußballspiel sausen.

Als er weg war, drückten wir vorsichtig auf die Clospülung. Sie ging, hörte aber erst wieder auf, als wir den Haupthahn abdrehten.
"Allesauseinerhand" kam prompt auf unseren Anruf hin und brachte die Spülung zum Stillstand. Ob wir denn nur Negatives sehen würden, wollte er wissen. Nein, protestierten wir und lobten lauthals die guten Ideen. und die schönen Fliesen.

Es kam der Maler, um das Loch in der Wand zum Schlafzimmer zu schließen und zu tapezieren. Dabei ging lediglich ein Schalter kaputt, der aber prompt besorgt und ersetzt wurde. Es kam der Schreiner, der uns eine neue Tür einbaute - ohne Komplikationen.
Es kam der Fliesenleger, der die Fliesen im Türbereich erneuerte - wegen der anderen Abmessungen des neuen Türrahmens. Dabei erlitt eine "benachbarte" Fliese einen Sprung. Der Fliesenleger war der Meinung, wenn er diese ersetzen würde, würden wahrscheinlich weitere zu Bruch gehen.. Wir aber bestanden auf Ersatz. Ergebnis um 16.00 h, pünklich zu seinem Feierabend: Die erneuerten Fliesen lagen höher als die anderen. Wir und auch Allesauseinerhand, der das Werk am nächsten Tag besichtigte, waren der Meinung "So nicht!" Der Fliesenlegermeister würde sich der Angelegenheit nochmals widmen müssen.

Jetzt war noch der Rat des Experten gefragt. Die Waschmaschine stand sehr eng eingekeilt zwischen den benachbarten Wänden, und wir befürchteten, dass beim Rotieren der Schleuder die Wandfliesen beschädigt werden könnten. Allesauseinerhand fand eine Lösung. Es müßte nur eine Wandfliese raus, dann könnte da der Abfluss rein und das Loch mit VA-Stahl zugedeckt werden.
Wunderbar! Ich war glücklich.

Die Schweißnaht des Rohres unseres neuen Heizkörpers leckte, zwar nur schwach, aber sie leckte. Dem Monteur war dies bekannt; er wollte den Schaden bei seinem nächsten Besuch beheben. Die Zeit verging, und aus dem Lecken wurde ein Laufen. Wir schlugen Alarm und wringten alle paar Minuten den um das Rohr gewickelten Aufnehmer aus, voller Panik, dass es platzen könnte. Der Notdienst, der abends kam, beruhigte uns, wickelte als Provisorium ein Stück Küchenrolle um das Leck und leitete so das austretende Wasser mit deren Ende in eine Schüssel. Vorsorglich leerten wir diese in der Nacht ein paar Mal.
Am nächsten Tag bekam nach mehrmaligen Anrufen in der Firma Allesauseinerhand das Rohr eine neue Manschette und ist seitdem dicht.

Eines schönen Tages kam der uns schon bekannte Fliesenleger, schlug die Berg-und-Tal-Stelle wieder auf und verflieste neu - tadellos übrigens. Eine reklamierte Eckfuge wurde neu abgedichtet und konnte sich jetzt wirklich sehen lassen.

Ein paar Tage später erhielten wir um 7.30 h einen Anruf. Ob es uns recht wäre, wenn heute die Duschabtrennung und Accessoires montiert würden. Und ob es uns recht war. Abends konnten wir uns nicht satt sehen an unserem wunderschönen neuen Bad, das wir uns kaum zu benutzen trauten.


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Bauchtanz für jedermann
Copyright 2005-2008 by Astrid Jentzsch, Germany

"Yogyba" war der Titel der Anzeige und stach mir sofort ins Auge. Yogyba, das stand für Yoga-Gymnastik-Bauchtanz und war ausdrücklich ausgeschrieben für Frauen jeden Alters.

Jahre, nein jahrzehntelang, hatte ich insgeheim mit "Ba" geliebäugelt, ohne dass sich eine Teilnahme ergeben hätte, sei es mangels Zeit oder weil es vielleicht doch irgendwie zu provozierend war, und überhaupt, mein Bauch war für mich eher ein Stein des Anstoßes, den ich mit über der Hose getragenen Pullis zu kaschieren suchte, als ein Körperteil, welchen ich bewußt und mit voller Absicht den Blicken Dritter aussetzen würde. Mit, zugegeben, leiser Wehmut schlug ich mir den hin und wieder in mir aufkeimenden Wunsch jedesmal wieder aus dem Kopf. Und dann, naja, dann war ich eigentlich sowieso zu alt dafür. Aber wie gerne sah ich, wenn sich die Gelegenheit bot, den Darbietungen türkischer, ägyptischer und indischer Frauen zu, die selbstbewußt und geschmeidig ihre Körper zu orientalischen Klängen wiegten und bogen. Hüften, Bäuche und Brüste führten ein Eigenleben und schwangen und vibrierten völlig unabhängig voneinander. Und selbst die wohlbeleibten Frauen setzten ihre Speckrollen so gezielt und gekonnnt ein, dass es mich faszinierte. Unästhetisch? Nein, mitreißend und erotisch.

Ja und dann kam mir diese Anzeige "Yogyba" unter, und ich wußte, das war genau mein Ding. Naja, ich hoffte es wenigstens. Zumindest konnte ich mal in die angebotene kostenlose Probestunde reinschnuppern.

In letzter Minute doch etwas bang im Herzen, begab ich mich mit mulmigem Gefühl und Gymnastikanzug in die physiotherapeutische Praxis, die den Kurs anbot. Christine, die Kursleiterin, gab gerade der nüchternen Turnhallenatmosphäre mittels Kunstpalmen, schillernden Tüchern und Bildern mit Camel-Kamelen und den Pyramiden von Gizeh einen orientalisch anmutenden Anstrich. Eine CD mit entsprechender Musik unterstrich diese ihre Bemühungen. Dann kamen die Frauen, die gleich mir auch erst mal schnuppern wollten. Alle duzten sich, stellten sich vor und wurden von Christine gleich mit gymnastischen Übungen (dem "Gy") aufgewärmt und gelockert. Es folgte ein wenig "Yo" zur Entspannung, während der unser Yogi-Tee, der fester und duftender Bestandteil unseres wöchentlichen Rituals wurde, durchzog. Wir saßen um eine Turnmatte, mit Mond-und-Sterne-Muster-Tuch verschönt, schlürften den aromtischen Tee und lernten uns gegenseitig ein wenig kennen: Angelika, Christiane, Gisela, Ute, usw. Dann ging's zur Sache, Christine legte sich ein wunderschönes perlenbesticktes Tuch um die schmalen Hüften und präsentierte uns eine Kostprobe von dem, was wir, wer weiß nach wie langer Zeit, vielleicht auch einmal beherrschen würden, wenn wir nur fleißig übten. Sie machte uns Mut: "Jeder, wirklich jeder, ob dünn oder dick, ob jung oder alt, kann Bauchtanz lernen". Der Rest der Stunde verging wie im Flug mit eckigen und linkischen Versuchen, das Becken kreisen und die Hüfte kicken zu lassen. Aber am Ende waren wir uns alle einig, weiterzumachen…

Jetzt sind wir schon im Kurs "Fortgeschrittene Anfänger", und ich freue mich jedesmal auf unsere Freitagsstunde. Die Fortschritte sind unverkennbar, auch wenn das Üben zuhause mal etwas vernachlässigt wird. Der Spiegel zeigt mir, dass mein Shimmy schon ganz wie ein solcher aussieht, zumindest im Stand. Sobald ich allerdings versuche, mich dabei fortzubewegen, hören die Hüften auf zu vibrieren und die Pobacken auf zu flattern. Aber das krieg ich schon noch hin. Das verkrampfte Gesicht muss ich mir auch noch abgewöhnen. Die Handbewegungen entbehren zwar noch der erforderlichen Eleganz (sehen etwa aus wie bei einem Errinkenden, der sich zu retten versucht), dafür finde ich meinen Hüftkick nahezu professionell. Der Drop ist fast perfekt, und das Becken kreist nicht mehr so eiförmig wie am Anfang der Bemühungen. Zu erwähnen bleibt noch, dass mein ehemals ungeliebter Bauch von mir jetzt akzepiert wird.

Zur Zeit bemühen wir uns, die einzelnen Abläufe unserer ersten Choreographie in Kopf und Bauch zu bekommen. Christine hat hierfür eine besonders peppige Musik ausgesucht. Es macht wirklich großen Spaß, die gelernten Schritte und Bewegungen miteinander zu kombinieren, auch wenn ich mal vergesse, ob jetzt der Sirtakischritt kommt oder erst der arabische Grundschritt, auch wenn ich mal rechts und links verwechsle. Dass ich die Seniorin in unserem Kurs bin, stört mich längst nicht mehr.

Vielleicht kann ich jemandem Mut machen, der "eigentlich schon immer wollte, sich aber nicht richtig getraut hat". Im Mai ist übrigens unser erster Auftritt, falls jemand kommen möchte…


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Porentiefe Sauberkeit - nie mehr rauhe Hände
Copyright 2005-2008 by Astrid Jentzsch, Germany

Die Werbung hatte mich überzeugt: Es gibt kein effektiveres, hygienischeres, umweltschonenderes, wassersparenderes Reinigen im Haushalt mit einem größeren Fun-Faktor als das Reinigen mit Dampf. Also bestellte ich - erstmal zur 14tägigen Probe - einen, trotz Super-Sommer-Spezial-Angebot nicht gerade billigen, Dampfreiniger aus dem Katalog. Er kam prompt und hielt, was er, bzw. seine Vertreiber versprachen. Ich beschloss, ihn zu behalten. Insbesondere wurde ich der Flecken, die unser Hund verursachte, spielend Herr. Und die bösen Milben im Schlafbereich hatten bald keine Chance mehr, mich zum Niesen zu bringen. Mit Turbodüse, Borstenkranz und Dampflanze dampfte ich alles ab, und gehörte uneingeschränkt zu den 95,8 % der laut EMNID-Studie zu den zufriedenen bis volkommen zufriedenen Besitzern besagten Reinigungsgerätes, bis, ja, bis eines Tages der Dampf am Anschlussstecker des Schlauches austrat, und vorne nur noch ein lauwarmes Lüftchen wehmütige Erinnerung an den Powerdampf der letzten Wochen wachrief. Also, alles eingepackt und zurückgeschickt, schließlich hatte ich ja 1 Jahr Garantie. Das Gerät kam repariert zurück, und der Dampf nahm wieder den ihm zugedachten Weg. Alles war bestens, bis sich eines schönen Dampftages das Dampfventil am Schlauch nicht mehr betätigen ließ. Naja, wollten mal nicht so pingelig sein, schließlich gab es ja noch den Ein-/Ausschalter am Gerät, den ich mit dem Fuß betätigen konnte. Nach einiger Zeit jedoch sprach dieser Schalter auf meine Fußbetätigung nicht mehr an, bzw. er blieb nur an, solange ich ihn mit dem Fuß runterdrückte. Auf einem Bein konnte ich mich schlecht durch die Wohnung bewegen, also ließ ich mir was einfallen. Ein schöner schwerer Amethyst, der sonst das Fensterbrett zierte, diente als Fußersatz. War ich nicht achtsam, fiel er zwar runter, aber mit ein wenig Übung konnte ich auf diese Weise gut hantieren.

Zu einem späteren Zeitpunkt hatte der Schlauchanschluss zum Gerät einen Wackelkontakt. Nur in einer speziellen Schlauchposition konnte der Dampf in diesen eintreten. Doch wie sollte ich diese Position mit einer Hand halten und gleichzeitig arbeiten? Ich schaute mich in unserer Wohnung um. Es gab da eine Bronzemadonna, die in einem Arm das Jesuskind hielt. Der andere Arm war frei, und die Hand hielt sie ausgestreckt, so, als wollte sie mir sagen, da könnte man doch auch einen Schlauch darauf legen. Und ich muss zugeben, sie hielt den Schlauch tadellos. Ich musste die ganze Konstruktion Dampfreiniger/Amethyst/Madonna nur von Zeit zu Zeit verschieben, dann klappte es eigentlich ganz gut.
So verging die Zeit im Volldampf und wie im Fluge. Eines schönen Tages gab es einen Knall, und der Kessel war geplatzt. Die Garantiezeit war leider vorrüber, aber der nächste Sperrmülltermin nicht mehr weit.

Ich griff wieder auf anachronistische Utensilien wie Eimer, Schrubber und Reinigungsmittel zurück, bekam rauhe und rissige Hände und hatte irgendwie das Gefühl, dass alles nicht so 100 %ig sauber wäre.

Eines Tages flatterte mir ein Prospekt eines Versandhandels ins Haus, in dem ein Dampfreiniger angeboten wurde, der etwa die Hälfte meines entsorgten kostete und ebensolche sensationellen Reinigungsergebnisse bringen sollte. Ein Blick auf meine roten Hände, und ich konnte nicht anders, ich musste ihn einfach bestellen. Das Montieren der Einzelteile war eher etwas für Ingenieure, aber bald hörte ich das altvertraute Dampfgeräusch. Außerdem gab mir die Zusage einer verlängerten 2-jährigen Garantiezeit ein beruhigendes Gefühl. Als jedoch nach 2 Monaten der Kessel platzte (wie gehabt), hatte ich genug, rote Hände hin oder her. Ich packte das Gerät ein und forderte mein Geld zurück, was ich auch anstandslos bekam.

Und trotzdem, das Thema Dampfreinigen war fast zur Besessenheit geworden. Die erste Firma schickte nach wie vor Werbung und empfahl eines Tages einen superkleinen, spottbilligen, doch hoch effizienten Dampfreiniger. Ich konnte dem Angebot einfach nicht widerstehen.

Der Zwerg war wirklich nicht übel. Nur fielen nach 5 Monaten die Räder ab, und der Handgriff wurde so heiß, dass ich ihn mit einem feuchten Lappen halten musste. Ich steckte die Räder ein paar mal wieder dran, doch sie hielten nicht mehr. Eine genauere Inspektion ergab, dass die Steckverbindungen der Räder zum Gerät geschmolzen waren.
Jetzt hatte ich endgültig die Nase voll. Ich packte das Gerät wieder ein und schickte es - diesmal unfrei - an den Hersteller, zusammen mit einem nicht sehr freundlichen Brief. Ich wollte keine Reparatur, ich wollte kein Ersatzgerät, ich wollte mein Geld zurück. Es kam tatsächlich ein Scheck, allerdings hatte man Nutzungsentschädigung für 5 Monate, Technikerkosten, Buchhaltungsgebühren und Portokosten abgezogen. Zwar hatte ich mich zwischenzeitlich schlau gemacht, dass ich der Firma tatsächlich Gelegenheit zur Reparatur oder zum Ersatz hätte geben müssen, aber mein Frust war so groß, dass ich einen noch weit unfreundlicheren Brief schickte. Und siehe da, aus Kulanzgründen war man bereit, auch die Differenz zu erstatten.

Am selben Tag , als der Scheck kam, erhielt ich ein Schreiben der anderen Firma, die seinerzeit den vollen Rechnungspreis anstandslos ersetzt hatte, mit einer freundlichen Entschuldigung und der Hoffnung auf eine weitere gute Zusammenarbeit - zusammen mit einem Gutschein über DM 25,-- für entstandene Mühen.

Ich fürchte, das Thema Dampfreiniger ist für mich noch nicht ausgestanden. Jetzt stellt sich die Frage: Welches Modell soll ich nun nehmen?


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Drei, zwei, eins.....
Copyright 2005-2008 by Astrid Jentzsch, Germany

Ich bin infiziert, wahrscheinlich unheilbar krank. Das eBay-Bazillus (bazillus ebayensis) hat mich seit längerem schon gepackt und sucht mich seitdem heim. Es ist nicht so, dass ich permanent unter dem Bazillus leide. Nein, die Anfälle, die es bei mir hervorruft, treten sporadisch auf, wenngleich in immer kürzeren Abständen.

Die Auslöser dieser Anfälle können vielerart sein. Zum einen gibt es da die Bietanfälle, die z.B. resultieren aus lange gehegten aber unterdrückten Wunschgedanken, spontan auftretenden Kaufgelüsten, einem unwiderstehlichen Drang, Schnäppchen zu machen, der puren Notwendigkeit, etwas anschaffen zu müssen, die Lust, für einen Freud/einer Freundin einen besonderen Gag zu ergattern, der Neugierde zu erfahren, ob sich der Roman von XY so amüsant liest wie der Vorgängerroman, oder der einfach plötzlich auftretenden Erkenntnis, dass ich ja eigentlich dies und das, wenn auch nicht zwingend nötig aber doch irgendwie noch gut gebrauchen könnte.

Nun könnte ich ja einfach den herkömmlichen Weg des Einkaufens gehen. Doch dieser benötigt viel Zeit, und ich hasse überfüllte Kaufhäuser, unübersichtliches Warenangebot, unfreundliches Verkaufspersonal, meine eigene Unentschlossenheit, Schlangestehen an der Kasse, Tütenschleppen… Oder ich könnte mich der Bestellformulare aus einem der ungefragt ins Haus geflatterten Kataloge bedienen. Doch auch an dieser Alternative ist nichts wirklich Prickelndes.

Wieviel komfortabler ist da doch die Ebay-Seite auf meinem PC. Ich gieße mir eine Tasse Tee ein, lehne mich entspannt zurück und gebe Mitgliedsnamen und Passwort ein. Ich klicke erstmal wahllos unter "Kaufen" herum, quasi zur Einstimmung, lande z.B. fast rein zufällig in der Rubrik Lederjacken, resümiere, dass ich ja schon drei habe (eine mühsam und für teures Geld im Laden gekauft - Prozedere s.o.- , die beiden anderen fast neu und unglaublich günstig bei eBay ersteigert) Aber da fällt mir ein, mein Mann hat nur eine ganz dicke und eine ganz dünne Lederjacke, so eine dazwischen für den Übergang könnte er noch gut gebrauchen. Also wechsle ich per Klick hinüber in die "Herrenabteilung". Ich setze die Teetasse hart auf: Hier ein Superangebot in XL, laut Beschreibung so gut wie neu, softweiches Nappaleder, nur 1 aktuelles Gebot über 1,99 €. Noch verbleibende Zeit 1 Minute 32 Sekunden. Ich brauche nicht zu überlegen, das Virus tut das für mich. Der Puls rast, sicher habe ich auch erhöhte Temperatur. Ich gehe auf "bieten" und gebe 4,99 € ein, mehr nicht, schließlich muss ich ja auch noch die Versandkosten über 7,00 € einkalkulieren. Drei, zwei, eins, seins - oder ihrs, ja, Mist, überboten! Ein gewisser Zilpzalp hat mit dem Kaufassistenten hinterhältig auf 5,49 € geboten. Gemeinheit, dabei hat der erst 93 Bewertungen und nur 98,7 % davon positiv, während ich schon 218 Bewertungen und 100 % aufweisen kann. Aber nein, ich darf nicht unfair sein, bediene ich mich doch selbst ab und an des Kaufassistenten, wenn die noch verbleibende Zeit in allzu weiter Ferne liegt und ich mich nicht ständig dem Nervenkitzel des Beobachtenmüssens aussetzen möchte. Gönne ich also Zilpzalp den Zuschlag und klicke weiter in die Abteilung Bauchtanzzubehör. Davon kann man schließlich nie genug haben.

Doch zurück zu meinem Leiden. Anfälle ganz anderer Art überkommen mich z.B. beim Staubwischen oder beim Wühlen in hoffnungslos überfüllten Schränken und Schubladen. Wie oft habe ich eigentlich schon diese Rosenthalschüssel mit handgemaltem Golddekor in der Hand gehabt und mich gefragt, was ich damit soll?! Oder dem doppelt geschenkten Ratgeber, wie ich meine Schlaflosigkeit in den Griff bekommen kann. Ich möchte am liebsten alles packen und wegschmeißen, denke spontan an den nächsten Sperrmülltermin. Doch beim Anblick meiner wunderschönen unbenutzten schwarzen Lackschuhe, die ich einfach zu klein gekauft habe (ganz regulär im Laden!) bricht das eBay-Virus wieder aus. Willenlos, fast automatisch hole ich meine Digitalkamera, rücke die überflüssigen Dinge ins rechte Licht und nehme sie auf. Und der Einfachheit halber das Dirndl aus meiner bayerischen Vergangenheit gleich mit. Außerdem noch ein geerbtes Margarinebildchenalbum, ein altes Kruzifix, eine Knopfimohrkatze und noch ein paar Dinge aus dem hoffnungslos überfüllten Keller.
Dann nix wie rein in den PC. 1 Euro Startpreis macht sich immer gut, ist psychologisch besser für die Nachbieter. Ich bin fair und berechne nur die reinen Portokosten, ein alter Karton für die Verpackung findet sich schließlich immer. Jetzt heißt es 10 Tage warten, 10 Tage Spannung.

Nach 7 Tagen hat sich noch gar nichts getan. Am 8. Tag ist ein gewisser Blubberjahn bereit, für die Schüssel 1 € zu zahlen. Naja, besser als wegwerfen, vielleicht hat er ja noch Freude daran. O lala, er hat ja auch auf die Lackschuhe geboten, wohl um Porto zu sparen, ganz schön clever. Aber nach 10 Tagen hat er den Zuschlag weder für das eine noch für das andere bekommen. C'est la vie! Ich jedenfalls bin mit dem Erlös insgesamt recht zufrieden und fange schon mal an, alles einzupacken. Bis die Zahlungen eingehen, sieht das Zimmer aus wie ein kleines Logistikzentrum.

Eine nette Randerscheinung beim eBayen sind - sofern man dafür offen ist - die freundlichen, witzigen, dankbaren mails von Käufern und Verkäufern. Es entsteht manchmal so etwas wie eine begrenzte Mini-Brieffreundschaft. Ich denke da an den Kanadier, der so happy war, mit meiner Suppenterrine das Service seiner Frau vervollständigen zu können und dafür Portokosten in Kauf nahm, die in keinem Verhältnis zum Warenwert standen. Nachdem meine Bank für die Auslandsüberweisung noch unverschämt hohe Gebühren verlangte, ersetzte er diese auch noch großzügig. Oder an die Frau ,von der ich die hübschen Granatohrringe erstanden hatte, die mir ein paar Wochen lang Amüsantes über ihre 7 Hunde berichtete. Nett ist es auch, mit Heiko zu plaudern, der sich von 3 Eisenbahnlampengläsern getrennt hat. Diesem, als unbedarften, aber wissbegierigen Niedersachsen, berichte ich derzeit über den Kölner Karneval.

Jetzt freue mich schon auf 14 neue positive Bewertungen aus den letzten Transaktionen, obwohl ich, ehrlich gesagt, nicht weiß, wieso. Das ist wohl so eine Nebenerscheinung des Virus.

Und heute abend gehe ich wieder auf virtuelle Lederjackenjagd für meinen Mann. Vielleicht klappt's ja diesmal. Da fällt mir ein, meine Tochter könnte eigentlich auch eine gebrauchen.

Nächsten Sonntag aber gibt es eine eBay-Pause, damit ich nicht süchtig werde. Zur Abwechslung gehe ich dann mal wieder auf den Flohmarkt.


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Geburtstagsgeschenk für Tante Edith
Copyright 2005-2008 by Astrid Jentzsch, Germany

Heute ist er wieder ins Haus geflattert, der Katalog mit den besten Ideen. Er sorgt in regelmäßigen Zeitabständen dafür, dass mir selbige nicht ausgehen. Tante Ediths 80ster naht, und ich habe schon schlaflose Nächte ihretwegen. Was schenkt man einer alten Dame, die a) schon alles hat, die man b) kaum kennt und die c) eh immer mit "Ihr sollt mir doch nichts schenken" reagiert? Ergo kommt mir dieser Katalog sehr entgegen.

Ich kuschele mich in meinen Lieblingssessel und schaue mir die erste gute Idee an, die "sauber durchdachte Kehrschaufel", bei der man sich nicht bücken muss. Im Prinzip nicht schlecht für alte Damen, aber Tante Edith hat eine Putzhilfe ohne Rücken-probleme. Wäre also rausgeschmissenes Geld.
Der Luftpolsterahrradsattel kommt auch nicht in Frage, sinniere ich, denn Tante Ediths antiquierter Drahtesel landete bereits vor Jahren auf dem Sperrmüll. Dass eine neue Hifi-Ära mit seiner innovativen Anlage "Streamium" anbricht, glaube ich dem Hersteller unbesehen, doch ich weiß, Tante Edith hängt fanatisch an ihrem alten Dampfradio und dem Plattenspieler Marke Schneewittchensarg. Diese Investition würde im übrigen auch den finanziellen Rahmen sprengen.
Auf Seite 15 entdecke ich etwas Hochinteressantes für 17,94 EUR. - aber leider völlig ungeeignet für die Tante - einen Tamponbehälter aus hochwertigem Druckguss, halb matt und Hochglanz verchromt, für einen Magnum- und zwei normal große Tampons. Was sich die Leute so alles einfallen lassen! Die coole Stingray (Stachelrochen)-Ledertasche könnte mir selbst gefallen (Was würden die im Büro für Augen machen!), aber schließlich geht es ja um ein Geschenk für Tante Edith.
Ich frage meinen Mann, was er von dem Dinoskelett im Maßstab 1:30, eingebettet in einen Gipsblock - nur der Kopf lugt heraus - , hält. Mit dem beigefügten Werkzeug kann man sich als Hobby-Paläontologe betätigen und anschließend den freigelegten T-Rex an die Wand hängen. Ein echter Hingucker! Dankward winkt ab. Na dann eben nicht.
Mein Blick fällt auf den Schnorchel mit eingebauten Radio. Faszinierend irgendwie, doch meines Wissens nach schnorchelt Tante Edith nicht (mehr). Das Mini-Bidet für die Reise mit 9.400 U/min sollte man nicht missen, sagt mir der Katalog. Mag schon sein, ist aber viel zu teuer.
Einfach genial, das elektrische Krawatten-Rondell für 68 Schlipse. Auf Knopfdruck fährt die Lieblingskrawatte vor - hell beleuchtet. Keine Chance: Tante Edth trägt leider keine Krawatten.
Der Ultraschallmäuseundinsektenvertreiber auf der nächsten Seite ist mirleider nicht formschön genug. Und das Matratzen-Clean-Spray - bestimmt sehr nützlich - könnte die Tante vielleicht missverstehen.
Wie wärs mit der TÜV-geprüften Rettungsleiter für die Balkonbrüstung mit 10 Jahren Garantie? Nein, beschließe ich, denn was würde Tante Edith die Garantie nützen, wennn z.B. nach 8 Jahren der Ernstfall eintritt und , die Leiter reißt? Außerdem hat sie sowieso Höhenangst und würde niemals auf so eine Leiter steigen.
Langsam schwindet mein Enthusiasmus, und ich finde dan Kalligraphie-Füller mit der Nr. 666-833-67 nicht mehr sonderlich originell.
Aber was haben wir denn da? Eine Jumbo-Erdbeere als Komposter (115 x 88 cm)! Ach nein, vielleicht doch zu auffallend in ihrem kleinen Gärtchen. Jede Menge geniale Korkenzieher werden angeboten. Doch ich bin mir sicher, Tante Edith hat schon einen, und im übrigen trinkt sie nur Bier.
Der lustige Frühstückseikocher in Vogelform ist wahlweise in Gelb, Rot oder Grün erhältlich. Aber ich verwerfe die Idee sofort, denn Tante Edith muss auf ihren Cholesterinspiegel achten.
Auf den folgenden Seiten werden superpraktische Küchenhelfer für alle denk- und undenkbaren Gelegenheiten angepriesen, teils aus Material für die Raumfahrt, teils in traditionsreicher italienischer Schmiedekunst gearbeitet, manche mehrfach preisgekrönt, manche in noblem Design, andere eine wahre Freude fürs Auge oder aber klassisch - aber jetzt viel komfortaber.
Unmöglich, sich da für etwas zu entscheiden.

Seufzend schließe ich den Katalog, erhebe mich aus meinem Sessel und begebe mich in die Küche, um mit meinem ganz normalen, herkömmlichen Schälmesser den Kartoffeln fürs Mittagessen zu Leibe zu rücken.

Tante Edith wird einen dicken Blumenstauß bekommen, beschließe ich, mit viel Gerbera, die liebt sie so sehr.


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